Erinnerungsdenkmal an die Tötung Benno Ohnesorgs, Berlin 1967
Das Denkmal übersetzt den historischen Ablauf des 2. Juni 1967 in eine sequenzielle Raumdramaturgie nach dem Freytag-Schema. Fünf Akte führen den Besucher von der Enge des Eingangs bis zum Raum der Stille — Architektur als körperlich erfahrbare Erzählung.
Zur ProjektübersichtErinnerung als räumliche Eskalation übersetzt den historischen Ablauf des 2. Juni 1967 in eine fünfaktige Raumdramaturgie. Das Denkmal ist in den Sockel eines aufgeständerten Wohngebäudes an der Krummen Strasse eingeschrieben und führt vier Ebenen in den Hinterhof hinab. Corten, Beton und gezielt eingesetztes Licht erzeugen Annäherung, Verdichtung, Konfrontation und Reflexion — Architektur als körperlich erfahrbare Erzählung eines historischen Moments.

Am 2. Juni 1967 wurde der 26-jährige Student Benno Ohnesorg im Hinterhof der Krummen Strasse 66/67 in Westberlin erschossen. Der Schütze war Polizeibeamter Karl-Heinz Kurras, der Jahre später als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit enttarnt wurde.
Das Projekt setzt sich nicht mit der Repräsentation dieses Ereignisses auseinander, sondern mit dessen räumlicher Übersetzbarkeit. Im Zentrum steht die Frage: Wie kann ein Moment der Eskalation architektonisch erfahrbar gemacht werden?

Vor jeder Entwurfsentscheidung stand die Analyse. Der Ablauf des 2. Juni 1967 folgt einer erschreckend präzisen Dramaturgie, die sich direkt auf das klassische Freytag-Schema eines fünfaktigen Dramas übertragen lässt. Diese Struktur ist nicht literarisch gemeint, sondern methodisch. Sie bestimmt die räumliche Organisation des Denkmals vollständig.
Ein Besucher schreitet durch das Gebäude so, wie man unweigerlich durch die Zeit schreitet. Die Bewegung durch die Architektur ist das Erleben eines Ereignisstranges.

Das Denkmal ist in den Sockel des bestehenden aufgeständerten Wohngebäudes an der Krummen Strasse eingeschrieben und führt von dort in vier Ebenen unterirdisch in den Hinterhof hinein. Der Abstieg ist die Metapher: Man vergräbt sich in das Ereignis.




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Der Besucher betritt das Denkmal durch die Pilotiszone des Bestandsgebäudes. Dichte Cortenstahllamellen füllen den Durchgang. Der Raum ist so eng, dass man sich seitlich hindurchzwängen muss. Die Beengtheit ist keine Unannehmlichkeit — sie ist das Programm. So eng standen die Demonstranten auf dem Gehweg vor der Deutschen Oper.
Auf den unteren Ebenen beginnt die steigende Handlung. Raumfolgen werden enger, Blickbeziehungen fragmentieren sich. Viele Richtungswechsel führen unweigerlich zu einem Ziel, verdecken aber zugleich die Sicht. Die Hetzjagd durch die Krumme Strasse wird räumlich erfahrbar.
Man kommt urplötzlich an — unter jenem Ort, an dem Benno Ohnesorg tot zu Boden fiel. Drei Cortenstahlscheiben schweben wie ein Damoklesschwert über dem Boden. Ein Glaselement liegt im Boden. Man kann die Fläche betreten, aber es erfordert Überwindung. Auf politische Symbolik wird bewusst verzichtet.
Durch das erlebte Labyrinth verlässt man den Todesraum. Der Weg zurück ist unnötig lang, wie die Irrfahrt des Krankenwagens mit Benno Ohnesorgs lebloser Hülle durch Berlin. An der Freitreppe betrachtet man ein letztes Mal die Rückwand des Todesraums.
Dunkelheit. Ein einziger horizontaler Lichtschlitz in der Wand. Der Raum symbolisiert die Vertuschungsversuche. Der Schlitz steht für die Erkenntnisse, die langsam ans Tageslicht kommen. Der Besucher wird angehalten, der Wahrheit nachzugehen.



Originalrendering — TU Braunschweig 2017/18

KI-Aufbereitung — 2026

Corten altert sichtbar und dokumentiert die Zeit, die seit dem Ereignis vergangen ist. Die Oberfläche ist uneben, schwer, dunkel. Beton ist das Material des Nachkriegsberlins. Die neuen Bauteile greifen dasselbe Material auf — aber dunkler, roher, gewichtiger.
Licht wird nicht als Ausleuchtung verstanden, sondern als dramaturgisches Werkzeug: gefiltert, gerichtet, teilweise entzogen. Es kommt nie von oben, nie vollständig, nie beruhigend. Licht ist in diesem Denkmal immer etwas, das man suchen muss.